Auch das kommt vor: eine Hummel zu Besuch im Bienenstock. © LK Kärnten/Thurner |
Auch das kommt vor: eine Hummel zu Besuch im Bienenstock. © LK Kärnten/Thurner ![[1773841348696278_1.png]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image//2026.03.18/1773841348696278_1.png?1773876667) |
Überträger von Krankheiten
Auch gibt es einige Studien, die das Überleben der Wildbienen durch die Übertragung von Krankheitserregern von Honigbienen auf Hummeln gefährdet sehen. Hier werden vor allem Viren und der Darmparasit Nosema ceranae genannt. Die sogenannten Bienenviren sind tatsächlich auch bei Wildbienen weit verbreitet, haben also ein breites Wirtsspektrum, verursachen aber bis auf wenige Ausnahmen keine Symptome. Nosema ceranae befällt den Mitteldarm der erwachsenen Honigbiene, zerstört dort die Darmzellen und führt dadurch zu einer schleichenden, aber massiven Schwächung des gesamten Bienenvolkes. In mehreren korrelativen Studien waren Daten präsentiert worden, die nahelegten, dass der Verursacher der Nosemose bei Honigbienen eine tödliche Gefahr für Hummeln ist. Durch eine erst kürzlich publizierte experimentelle Studie (Gisder et al., Appl. Environ. Microbiol. 2020) konnte aber Entwarnung gegeben werden. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler konnten mit aufwendigen Infektionsversuchen zeigen, dass, selbst wenn Hummeln die infektiösen Sporen von N. ceranae in großen Mengen aufnehmen, diese nicht im Darm auskeimen und es daher nicht zu einer Infektion der Darmzellen und zum Ausbruch der Krankheit kommen kann. Falls es in der Natur überhaupt zur Aufnahme dieser Sporen durch Hummeln kommt, werden sie einfach wieder abgekotet. Als Fazit bleibt die nicht allzu neue Erkenntnis, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Wir dürfen und müssen auch hinterfragen, denn vor Jahren, als die Honigbienen in Gefahr galten und die Imkereibetriebe als Lebensretter gefeiert wurden – wer wurde an den Pranger gestellt? In erster Linie wurde die Landwirtschaft für „das Bienensterben“ verantwortlich gemacht. Wohl wissend, dass Imkerei und Landwirtschaft schon seit jeher eine gewachsene Symbiose waren. Heute wird die Honigbiene für den Rückgang der Bestäubervielfalt (mit) verantwortlich gemacht. 100 Mio. Jahre Co-Evolution von Wild- und Honigbienen, 10.000 Jahre Bienenhaltung, und nun sollen Honigbienen eine Gefahr für Wildbienen sein?