Auslauf für Rinder
Die vielfältigen Möglichkeiten der Gestaltung.
Viele Betriebe, die ihre Tiere in Anbindeställen halten, stehen aufgrund der Marktsignale und der betrieblichen sowie der betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten vor sehr großen Herausforderungen. Gründe dafür sind die traditionelle Bewirtschaftung und der oft fehlende Platz für weiträumige Laufställe.
Aufgrund dieser Herausforderungen, vor denen viele Betriebe vor allem im Berggebiet stehen, wurde das Forschungsprojekt BERG-MILCHVIEH ins Leben gerufen.
Dieses Projekt, das im Rahmen der EIP-AGRI ("Europäischen Innovations-Partnerschaften für Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit") durchgeführt wird, soll einen erheblichen Beitrag zur Unterstützung der kleinstrukturierten Betriebe in benachteiligten Gebieten leisten. Dadurch soll die Multifunktionalität der Berglandwirtschaft bestmöglich erhalten bleiben. Vor allem sollen im Zuge dessen Alternativen für Anbindeställe aufgezeigt werden, die praxisnah und baulich umsetzbar sind.
Natürlich stellt ein Auslaufbereich auch bei Laufstallbetrieben eine sehr gute Ergänzung dar!
Was ist bei der Planung zu berücksichtigen:
Bei der Planung eines Auslaufs steht grundsätzlich das Motto "so einfach und simpel wie möglich" im Vordergrund. Dennoch gibt es aber eine Vielzahl an Möglichkeiten der Ausgestaltung, von der einfachen Betonplatte bis hin zum Auslaufstall.
Die Basis ist immer eine befestigte Fläche, die den Tieren zur Bewegung dient. Die Größe des Auslaufs hängt vor allem vom aktuellen Haltungssystem ab. Während sich bei Laufstallsystemen Werte von 4,5 m² bewährt haben, sind bei Kombinationshaltungsbetrieben wesentlich größere Flächen vorzusehen.
Neben diesen Punkten sollte auch gut durchdacht sein, wie der Auslauf größentechnisch und hinsichtlich der Funktionsbereiche gestaltet werden kann. So sollte immer gewährleistet sein, dass sich die Tiere frei bewegen können und genügend Platz haben, um sich zu drehen und einander auszuweichen.
Zu klein ausgelegte Auslaufflächen ermöglichen den Tieren nur eine eingeschränkte freie Bewegungsmöglichkeit. Insofern kann dies zu erhöhten Stresssituationen für rangniedrigere Tiere führen und erhöht das allgemeine Verletzungsrisiko.
Tabelle 1 Vorgaben/Empfehlungen für die Größe einer Auslauffläche
4,0 m² pro Kuh |
Besonders tierfreundliche Haltung |
Laufstall |
8,0 m² pro Kuh |
ÖKL (Empfehlung für Kühe) |
Anbindestall |
12,0 m² pro Kuh |
ÖKL (Empfehlungen für behornte Kühe) |
Anbindestall |
10,5 m² pro Kuh |
EIP Projekt Berg-Milchvieh |
Auslaufstall |
Niederschlagswasser und Grubenraum
Unbedingt zu berücksichtigen ist das auf die verschmutzte Fläche fallende Niederschlagswasser. Dieses muss gesammelt und in einen dichten Behälter abgeleitet werden. Daher muss auch die entsprechende Kapazität beim Grubenraum mitgedacht werden!
Der Auslaufstall
Ergebnis aus dem EIP Berg Milchvieh Projekt. Dieser Stalltyp ergibt sich aus der Schaffung von sehr gut ausgestalteten Auslaufflächen, sogenannten "möblierten Ausläufen". Dabei finden sich im Auslaufbereich alle Merkmale eines Laufstalls, wie Fressbereich (meist mit Raufen), Liegebereiche und Tränken, wieder. Die bauliche Umsetzung erfolgt meist sehr einfach und möglichst kostengünstig.
Die Nutzung des alten
Anbindestalls reduziert sich dabei auf wenige Tage im Jahr. Vorwiegend wird dieser als Melkstand benutzt. Solche Stallsysteme können
laut Ergebnissen des EIP daher auch als eine Form des Laufstalls gesehen werden (siehe Definition Auslaufstall).
Auslaufstall für kleine Betriebe mit vormaliger Anbindehaltung
Ein Auslaufstall kann für Betriebe mit kleinem Tierbestand eine sinnvolle bauliche Variante, weg vom Anbindestall und hin zum Laufstall, sein und bietet Außenklimabedingungen, Bewegungsmöglichkeit und ist mit allen Ausstattungselementen eines Laufstalls strukturiert.
Der Auslaufstall gilt als eine Form des Laufstalls, wenn
- der Boden befestigt ausgeführt ist,
- die Auslaufstallfläche (inklusive Liegebereich) mindestens 10,5 m2 pro Kuh beträgt,
- für jedes Tier eine ständig zugängliche, überdachte, trockene, weiche und am Boden wärmegedämmte Liegefläche mit Witterungsschutz zur Verfügung steht (Maße der Liegeflächen gemäß 1. Tierhaltungsverordnung, Anlage 2, Punkt 4.2.2.1. bzw. 4.2.2.2.),
- ständig zugängliche Fressplätze in ausreichender Anzahl vorhanden sind (Futterbarnsohle, Tier-Fressplatz-Verhältnis und Mindestfressplatzbreiten gemäß 1. Tierhaltungsverordnung, Anlage 2, Punkt 2.6),
-
ausreichend ständig zugängliche, funktionstüchtige und frostfreie Tränken zur Verfügung stehen und die Wasseraufnahme aus einer freien Wasseroberfläche möglich ist,
-
der bestehende Anbindestall nur genutzt wird für:
1) die Zeit des Melkens und/oder
2) kurzzeitig (wenige Stunden) zum Zweck von Pflegemaßnahmen oder zur Fixierung einzelner Tiere für Zwecke tierärztlicher oder sonstiger Behandlungen und/oder
3) den Schutz der Tiere in extremen, wetterbedingten Ausnahmesituationen (maximal 3 Tage durchgehend und maximal 20 Tage im Jahr insgesamt; eine Dokumentation der Tage im Anbindestall mit Begründung ist erforderlich), und der Anbindestall den rechtlichen Anforderungen entspricht, -
eine ausreichende Anzahl an Absonderungsbuchten für
kalbende oder kranke Tiere vorhanden ist.
Eine Kratzbürste und ein Sonnenschutz oder schattenspendende Elemente sind zusätzlich empfohlene Elemente eines
Auslaufstalls.
Die Angaben dienen als Erstinformation. Aktuelle Gesetze, Verordnungen, Merkblätter und Normen sind zu beachten
(
www.bergmilchvieh.at).
Stufen der Auslaufgestaltung
Stufe 1: Planbefestigte Fläche
Zusätzlich mit Tränke und Kratzbürste
Stufe 1: Planbefestigte Fläche
Zusätzlich mit Tränke und Kratzbürste © Bauberatung Tirol |
Stufe 1: Planbefestigte Fläche
Zusätzlich mit Tränke und Kratzbürste © Bauberatung Tirol ![[1737449687723986_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449687723986_1.jpg?1737449688) |
Beispiel 1: einfacher Auslauf
Stufe 2:
Planbe Planbefestigte Fläche mit Futterraufe
Stufe 2: Planbefestigte Fläche mit Futterraufe © Bauberatung Tirol |
Stufe 2: Planbefestigte Fläche mit Futterraufe © Bauberatung Tirol ![[1737449688715553_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449688715553_1.jpg?1737449689) |
Beispiel 2: Auslauf mit freier Liegefläche und Futterraufe © Bauberatung |
Beispiel 2: Auslauf mit freier Liegefläche und Futterraufe © Bauberatung ![[1737449680464896_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449680464896_1.jpg?1737449681) |
Beispiel 2:
Beispiel 2: Auslauf mit freier Liegefläche und Futterraufe © LK Tirol |
Beispiel 2: Auslauf mit freier Liegefläche und Futterraufe © LK Tirol ![[1737449681579334_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449681579334_1.jpg?1737449682) |
Stufe 3:
Planbefestigte Fläche mit Fütterungsmöglichkeit und Außenliegebereich. Hier spricht man auch vom "möblierten Auslauf".
Stufe 3: planbefestigte Fläche mit Fütterungsmöglichkeit und Außenliegebereich. Hier spricht man auch vom "möblierten Auslauf" © Bauberatung Tirol |
Stufe 3: planbefestigte Fläche mit Fütterungsmöglichkeit und Außenliegebereich. Hier spricht man auch vom "möblierten Auslauf" © Bauberatung Tirol ![[1737450021458823_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737450021458823_1.jpg?1737450022) |
Beispiel 3: Auslauf mit freier Liegefläche und Futtertisch © Wildauer |
Beispiel 3: Auslauf mit freier Liegefläche und Futtertisch © Wildauer ![[1737449682774535_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449682774535_1.jpg?1737449684) |
Beispiel 3: Auslauf mit freier Liegefläche und Futtertisch © Wildauer |
Beispiel 3: Auslauf mit freier Liegefläche und Futtertisch © Wildauer ![[1737449684291718_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2025.01.21/1737449684291718_1.jpg?1737449685) |