Anton Koller: "Beim Bau von Schattenspendern sins der Kreativität keine Grenzen gesetzt." © AMA |
Anton Koller: "Beim Bau von Schattenspendern sins der Kreativität keine Grenzen gesetzt." © AMA ![[165703458208147_1.jpg]](https://cdn.lko.at/lko3/mmedia/image/2022.07.05/165703458208147_1.jpg?1657034582) |
Ohne genügend Schutzelemente wird die Weide von den Hühnern ungern genutzt
Anton Koller, Junghennenaufzüchter, Hühnerexperte und Geflügelreferent der LK Steiermark, verrät im Interview wertvolle Tipps für die Hühnerweide.
Was sind die häufigsten Fehler, die in der Praxis bei Hühnerweiden gemacht werden?
Koller: Häufig sind die für die Hühner so wichtigen Schutzelemente zu weit vom Stall und voneinander entfernt. Das hat zur Folge, dass der Auslauf nicht gleichmäßig oder überhaupt gar nicht gut genutzt wird. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Drainage oder Befestigung im stallnahen Bereich, dort kommt es dann zu Pfützenbildung und damit zu Hygieneproblemen. Die Hygiene ist überhaupt der wichtigste Aspekt! Im Sinne der Hygiene muss ich den Auslauf unbedingt trocken halten. Das gilt auch bei Mobilställen. Da ist schon mal der erste große Fehler, wenn nicht oder nicht ausreichend für Regenwasserableitung gesorgt wird. Regenrinnen sind unerlässlich und anfallendes Regenwasser muss je nach Standort mindestens mehrere Meter weit vom Mobilstall weggeleitet werden.
Wie sieht es mit Doppelnutzung von Hühnerweiden aus? Kann ich die Flächen zeitgleich auch von anderen Tierarten beweiden lassen?
Ja, das ist sogar gut möglich. Grundsätzlich gilt jedoch: Halte ich Nutztiere (z.B. Hühner) mit anderen Nutztieren (z.B. Rindern) gemeinsam auf einer Weide, so muss ich mir das immer amtstierärztlich genehmigen lassen. Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, mit diesen Arten ist eine gemeinsame Beweidung gut möglich. Wichtig ist, dass die Tiere nicht in den Hühnerstall eindringen können. Schweine hingegen sind ein ungeeigneter Weidepartner für das Huhn. Sie schädigen die Grasnarbe einfach zu stark und sind im Sinne der Hygiene unpassend. Außerdem könnten die allesfressenden Schweine auch drauf kommen, dass ihnen die Hühner schmecken …
Kann man auch an die Weide angrenzenden Wald nutzen?
Ja, mit Genehmigung der Bezirksforstbehörde. Hühner als ursprüngliche Waldrandbewohner lieben Bäume. Bäume bieten Schatten und Schutz und zum Beispiel Käfer und Beeren sind eine willkommene Abwechslung. Puten lieben den Wald sogar ganz besonders. Eine Gefahr ist hier natürlich die Nähe zu Raubwild wie Fuchs und Co. Wer solch eine Weideform wählt, sollte sich mit seiner lokalen Jägerschaft gut stellen. Aufpassen sollte man auch beim Aufbäumen der Tiere, also dem Aufsuchen von Schlafplätzen in den Ästen der Bäume. Es muss vermieden werden, dass die Hühner über Nacht draußen bleiben. Zu leicht darf man es Beutegreifern auch nicht machen.
Hast du Tipps, wie man kostengünstig und einfach Schattenspender bzw. "schützende Elemente" selber bauen kann?
Hier gilt: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, aber sturmsicher muss es sein! Da gibt es einfache Lösungen, wie z.B. mit Europaletten, die auf Holzpflöcken montiert werden, so wie ein Tisch mit vier Beinen. Aus mehreren Paletten kann man daraus auch größere Elemente bauen, die einer größeren Anzahl von Tieren Schutz bietet, was im Sinne des Herdentriebs wichtig sein kann. Oder aus Baustahlgittern, die sonst zum Betonieren gebraucht werden, lässt sich auch prima was bauen. Wenn man diese Gitter im Ganzen "rund“ biegt und eine Plane (gut!) daran befestigt, hat man einen tollen Tunnel für die Hühner. Wichtig ist, dass die baulichen Elemente für die Weidepflege leicht zu versetzen sind, aber auch bei starkem Sturm nicht durch die Gegend fliegen. Das könnte schnell gefährlich werden.
Vielen Dank für das Interview!